Datum: 15.04.2020

Unterstützte Entscheidungsfindung

Wie viel entscheide ich für meine Betreuten und wie viel und was können sie selbst entscheiden?

Wie viel entscheide ich für meine Betreuten und wie viel und was können sie selbst entscheiden? Diese Fragen stellen sich im Rahmen einer Betreuung immer wieder aufs Neue. Für uns als gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuern ist die Selbstbestimmung des betreuten Menschen durch den §1901 BGB gesetzlich verankert. Dort heißt es in Abs. 2: „Der Betreuer hat die Angelegenheiten des Betreuten so zu besorgen, wie es dessen Wohl entspricht.“ und weiter in Abs. 3: „Der Betreuer hat Wünschen des Betreuten zu entsprechen, soweit dies dessen Wohl nicht zuwiderläuft und dem Betreuer zuzumuten ist.“ Gerade in medizinischen Entscheidungen werden Betreute oft übergangen. Ärzte erklären Diagnosen und Vorgänge im Fachjargon und nicht in leichter Sprache und überlassen die Aufklärung eines medizinischen Eingriffes den Betreuerinnen und Betreuern. Auch die Entscheidung eines medizinischen Eingriffes wird meist ausschließlich den Betreuern überlassen. Betreute werden aus diesen Gesprächen oftmals indirekt ausgegrenzt. Diesem Zustand steht die unterstützte Entscheidungsfindung entgegen. Betreute sind in medizinische Gespräche einzubinden. Entscheidungen, welche sie alleine treffen können, dürfen auch selbstständig getroffen werden. Manchmal kommt es vor, dass sich ein Betreuter gegen eine medizinische Maßnahme entscheidet, von welcher Sie als Betreuer jedoch überzeugt sind, dass sie zu seinem Wohlbefinden beitragen wird. Dann haben Sie die Möglichkeit im Rahmen einer unterstützten Entscheidungsfindung mit dem Betreuten gemeinsam die Situation zu besprechen, Alternativen zu erläutern und Konsequenzen offen anzusprechen. Eine Entscheidung gegen den Willen des Betreuten zu treffen und Maßnahmen einzuleiten wäre nur dann möglich, wenn eine Selbstgefährdung vorliegt. Eine solche Maßnahme muss gerichtlich genehmigt werden.